Die Geschichte
Die Gegend um Mauchenheim, die durch den im Süden sich erhebenden Donnerberg und die bei Orbis
entpringende Selz und ihr Tal gekennzeichnet ist, war schon vor Christi Geburt besiedelt. Das
bezeugen Funde aus der Jungsteinzeit (4000 bis 1800 v. Chr.) und der Urnenfelderkultur
(1500 - 800 v. Chr.). Darunter befindet sich als besonders schönes Stück ein Kupferdolch,
der im Historischen Museum der Pfalz (Speyer) aufbewahrt wird. Auch die Römer ließen sich
hier nieder. An Hand von Luftaufnahmen konnten Archäologen vier Gutshöfe (villa rustic)
erkennen. Im 5. Jahrhundert n. Chr. zerfiel das Römische Reich und die Franken übernahmen
die Herrschaft. Sie siedelten vornehmlich im ländlichen Raum. Aus ihren Gehöften entstand
die Mehrzahl der heutigen Dörfer, deren fränkischen Ursprung man an der Endung "-heim"
erkennt. Der Name "Mauchenheim" leitet sich wahrscheinlich von einem ähnlich klingenden Eigennamen
wie Mauco oder Maviko aus dieser fränkischen Gründungszeit ab. Erstmals urkundlich erwähnt
wird das Dorf als "Mauchenheim" am 8.Juli 867 in den Wormser Überlieferungen. Im 12. Jahrhundert
wird erstmals ein "Mainhardus von Mauchenheim" in einer Urkunde der Herren von Bolanden erwähnt.
Er könnte bereits zu der heute noch bestehenden Adelsfamilie von Mauchenheim gehört haben.
Diese nannte sich ab Wilhelm von Mauchenheim (1389 - 1426) mit dem Zusatznamen "genannt Bechtolsheim".
Dort gehörte sie zur Ganerbschaft. Nach dem Zerfall des Wormsgaus im frühen 12. Jahrhundert
wurde die Herrschaft von Mauchenheim geteilt. Der Süden fiel an die Herren von Bolanden, der
Norden an die Pfalzgrafen (später "Kurpfalz").Nach dem Aussterben der Herren von Bolanden fiel
deren Hälfte an die Grafen von Sponheim. Nachdem auch dieses Geschlecht 1393 erloschen war, kamen
die Grafen von Nassau - Saarbrücken in Besitz dieser Dorfhälfte. Sie traten ihren Besitz am 14.
Januar an die Kurpfalz ab. Somit gehörte das gesamte Dorf zum kurpfälzischen Oberamt Alzey.
Dass die Mauchenheimer Kirche eine frühe Gründung war, lässt sich vermuten, weil sie
dem Remigius (437/440 - 533) war Bischof von Reims und taufte den Begründer der fränkischen
Merowingerdynastie Chlodwig. Im 13. Jahrhundert lag das Patronat der Kirche zunächst bei den
Raugrafen und wechselte später zum Kloster Sion. Der spätgotische Chor der heute evangelischen
Kirche - ab 1562 gab es reformierte Prediger in der Pfalz; die Kirche selbst fiel 1705 bei der Pfälzer
Kirchenteilung an die Reformierten - weist auf einen Kirchenbau von 1528. Zwischen 1730 und 1752
wurde ein barockes Schiff angebaut. Im Gehäuse der Stummorgel von 1778 sind Reste eines
geschnitzten Chorgestuhls von Erhard Falkener (um 1500) verarbeitet. Von Falkener stammt auch das
schöne Gestühl in der spätgotischen Kirche von Bechtolsheim.
In der Mauchenheimer
Gemarkung sind zwei Zisterzienerinnenklöster belegt. Das Kloster Paradeis bestand von 1296
bis 1418 das Kloster Sion von 1247 bis 1566. Sion war auch Grablege der Herren von Löwenstein.
Als Schirmherren fungierte die Alzeyer Truchsessen, später die Raugrafen. Die geistliche Aufsicht
hatte ab 1265 das Rheingauer Kloster Eberbach inne. Das Nonnenkloster verfügte über
umfangreichen Grundbesitz in der gesamten Umgebung. Nach der Auflösung von Sion durch Kurfürst
Friedrich III. entstand in den Klosteranlagen ein Hofgut, das bis 1800 bestand. Noch vorhandene Mauerreste
wurden mittlerweile restauriert und zu einer Freizeitanlage ausgebaut.
Im Mittelalter sprach in
Mauchenheim ein Dorfgericht aus sieben Schöffen Recht. Das Hochgericht befand sich in Kirchheim.
Die in einem Weistum zusammengefassten Ortsrechte sind nicht schriftlich überliefert, aber
wahrscheinlich geht der 1577 mit den Grafen von Nassau - Saarbrücken geschlossene und heute noch
gültige Vertrag über Holzrechte am Donnersberg darauf zurück.
In der Zeit des
30-jährigen Krieges erlebte Mauchenheim eine schlimme Zeit. Dreimal wütete nachweislich
die Pest im Dorf. Im Jahre 1624 starben 34 Personen, 1625 waren es 48 und 1666 sogar 67 Tote. Die
Kirchenbücher verzeichnen ab 1660 eine starke Einwanderung aus dem Niederrheinischen. Die
Entvölkerung im 17. Jahrhunderts zeigt sich auch an den von ihren Einwohnern verlassenen
Dörfern Annenfeld, Steinhausen und Braunhausen, die als Wüstungen in der Gemarkung
Richtung Orbis verzeichnet sind.
1785 lebten in Mauchenheim wieder 98 Familien mit 485 Personen.
Es gab 69 Häuser, die Kirche und eine Schule. Von 1795 bis 1814 gehörte das Dorf zum
Departement Mont-Tonnere (Donnersberg) und somit zum napoleonischen Frankreich. Im Rahmen der
Neuordnung Deutschlands auf dem Wiener Kongress (1814/15) fiel Mauchenheim als nördliches
Grenzdorf an die bayrische Rheinpfalz. Aus dieser Zeit rühren die Grenzsteine an der
Gemarkungsgrenze zu Offenheim mit den Aufschriften K.B. (Königreich Bayern) und G.H.
(Großherzogtum Hessen). 1838 wurde eine neue Schule gebaut. Die demokratische Revolution
von 1848/49 fand auch in Mauchenheim zahlreiche Anhänger und führte auch zur Gründung
einer Bürgerwehr. Den Veteranen des deutsch-französischen Krieges von 1870/71 wurde ein
Denkmal auf dem Freien Platz gestiftet. 1876 gründete sich der Männergesangverein. Im
Jahr 1900 wurde die erste Wasserleitung verlegt und 1904 kam das erste Telefon. 1921 bekam die
Gemeinde elektrisches Licht. 1958 hatte Mauchenheim 852 Einwohner. 1963 wurde ein Schulneubau errichtet.
Im Zug der Verwaltungsreform von 1968 kam Mauchenheim zum Landkreis Alzey-Worms und damit zu
Rheinhessen. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Dorf bereits 910 Einwohner. Mit beachtlichen Eigenleistungen
wurde 1983 das Bürgerhaus (Mühlwiesenhalle) gebaut. 1992 errichtete man auf dem Friedhof
eine neue Aussegnungshalle, 1994 folgte der Kindergarten. Derzeit beschäftigt man sich vor allem
mit Maßnahmen der Dorferneuerung. Die Einwohnerzahl liegt bei 979 (Stand vom 31.12.2004).
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